Projekt IF*P2 - Multimedia im Unterricht - CMC - Kommunikationsbedingungen und Auswirkungen
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Merkmale der computervermittelten Kommunikation (CMC)

Autor: Dr. Ilse Harms
Erstveröffentlichung: 6.12.1996
Letzte Änderung: 10.12.1996

CMC - Kommunikationsbedingungen und Auswirkungen

Die besonderen Charakteristika dieser Technologie bestehen:
  • in der Textbasiertheit,
  • in der Asynchronität der Kommunikation,
  • im Fehlen von sozialen Hinweisreizen, d.h. die Teilnehmer können sich gegenseitig nicht in ihrem äußeren Erscheinungsbild wahrnehmen. Nonverbale Kommunikation, z.B. Körperhaltung, Gestik und Mimik bleiben ausgeblendet.

Aus diesen Merkmalen lassen sich keine generalisierenden Aussagen über den Einsatz dieser Kommunikationsform ableiten, denn in welcher Art und Weise diese Merkmale das Kommunikationsverhalten beeinflußen, differiert u.a.mit der Kommunikationssituation und dem Kommunikationsziel.

In Erfahrungsberichten zum Einsatz der Computer-vermittelten Kommunikation im Rahmen von Lehr-Lern-Prozessen wird insbesondere die Asynchronität und die Textbasiertheit der Kommunikation hevorgehoben. Im Gegensatz zur Face-to-Face Situation erfolgt der Dialog zeitversetzt. Dies gestattet den Teilnehmern eine gewisse Flexibilität hinsichtlich des Zeitpunkts der Kommunikation und der Zeitdauer, die aufgewendet wird. Der aus der Asynchronität resultierende Zeitbonus, kann für Reflexion und Formulierung des einzubringenden Beitrages genützt werden kann. Die Speichermöglichkeit erlaubt außerdem eine intensive Beschäftigung, das Nachzeichnen von Diskussionsverläufen und die Weiterverarbeitung von eigenen oder fremden Texten.

Eine Erhöhung der Intensität der Beschäftigung mit den Inhalten und eine Schulung des schriftlichen Ausdrucksvermögens wird auch aus der Textbasiertheit abgeleitet. Schriftliche Formulierungen werden i.d.Regel sorgsamer überdacht als dies beim mündlichen Dialog der Fall ist. Insgesamt erhöht sich damit der Aufwand beim Einbringen eines Beitrags. Es wird zwar immer wieder darauf hingewiesen, daß die Textbasiertheit gehemmten Schülern die Teinahme an Diskussionen erleichtert, gleichzeitig steht zu erwarten, daß sich die Teilnahmebarrieren für rechtschreibeschwache Schülern erhöhen.

Mit der zunehmenden Nutzung der computervermittelten Kommunikation haben sich netzwerktypische Ausdrucksmöglichkeiten herausgebildet, wie z.B. die häufige Verwendung von Abkürzungen, die den Aufwand beim Schreiben minimieren helfen. Unterstützung dabei bieten auch Symbole wie Emoticons, Grafiken, Soundwörter und Aktionswörter, die insgesamt zur Kompensation der fehlenden soziale Kontexthinweise beitragen. Einen interessanter Einblick in die Verhaltenempfehlungen zur Netznutzung (Netiquette) mit zahlreichen Verweisen auf weitere Literaturquellen bietet http://stud.uni-sb.de/~same0011/net.htm.

Trotzdem bleibt festzuhalten, daß die bei einem Face-to-Face Dialog synchron zur Aussagenproduktion - teilweise nonverbal - erfolgende Rüchmeldung hinsichtlich der Verstehensleistung durch den oder die Kommunikationspartner fehlt. Dies kann zu einer Verunsicherung führen, die - je nach Kommunikationssituation - eindeutiges Stellung beziehen bei Meinungsäußerungen verhindert oder fördert. Als ein beeinflußender Faktor kann das Ausmaß der Anonymität angesehen werden. Das sog. "Flaming", d.h. ein rüder Argumentationsstil, der auch die persönliche Beleidigung des Kommunikationspartners einschließt, kann beim Einsatz der computervermittelten Kommunikation im arbeitsorganisatorischen Kontext, in dem die Partner i.d.R. identfizierbar sind, eher ausgeschlossen werden.

Insgesamt kann - auch aufgrund eigener Erfahrungen in der Hochschullehre - festgestellt werden, daß der Einsatz der computervermittelten Kommunikation zu einer Bereicherung der Lernumgebung beitragen kann. Neben der allgemeinen Zielsetzung, Kompetenz im Umgang mit dieser Kommunikationsform zu erwerben, resultiert aus dem Umgang mit dieser Technologie der Zugang zu den vielfältigen Informationsressourcen im Netz. Der Einsatz im Rahmen kooperativer Arbeitsformen, d.h. bei der gemeinsamen Bearbeitung von Fragestellungen , sollten diese insbesondere bei komplexeren Aufgabenstellungen von einem Moderator geleitet werden. Es bietet sich z.B. die Bildung von kleinerern Arbeitsgruppen an, die evtl. von einem Schüler geleitet werden, die ihre Ergebnisse an die Gesamtgruppe liefern, die von einen Lehrer moderiert wird.


Literaturempfehlung:

  • zum Thema CMC im pädagogischen Kontext:
    • Harasim, Linda 1989: On-line Education: A New Domain. In: Robin Mason & Alexander Kaye (Hrsg.): MINDWEAVE.Communication, Computers and Distance Education. Oxford [u.a.]: Pergamon Press. S.50-62.: http://acacia.open.ac.uk/Mindweave/Mindweave.html)
    • Kaye, A. R. 1989: Computer-mediated communication and distance education. In: R.Manson; A.Kaye (Hrsg.), Mindweave: communication, computers and distance education. Oxford, Pergamon Press, S.3-21. (http://acacia.open.ac.uk/Mindweave/Mindweave.html)
    • Paulsen, Morten.Flate (1995) The OnlineReport on PedagogicalTechniques for Computer-Mediated Communication. (http://www.hs.nki.no/~morten/cmcped.htm oder http://www.nki.no/~morten)
  • zum Thema CMC im Vergleich zur Face-to-Face Kommunikation
    • Clark, Herbert H. & Brennan, Susan E. 1991: Grounding in Communication. In: Resnick, Lauren B.; Levine, John M. & Teasley, Stephanie D. (eds.): Perspectives on Socially Shared Cognition. American Psychological Association, Washington, DC 20002, S.127-149. (Das Buch ist in der Universitätsbibliothek vorhanden)
    • Feenberg, Andrew 1989: The written world: On the theory and practice of computer conferencing. In: Mason, Robin. & Kaye, Alexander(Eds.): Mindwave. Communication, Computers and Distance Education. Oxford [u.a.]: Pergamon Press. S.22-39: http://acacia.open.ac.uk/Mindweave/Mindweave.html)
  • zum Thema CMC allgemein, insbesondere zu "virtuellen Gemeinschaften"
    • Wetzstein, Th. A.; Dahm, H.; Steinmetz, L.; Lentes, A.; Schampaul, St.; Eckert, R. 1995: Datenreisende. Die Kultur der Computernetze. Opladen: Westdeutscher Verlag


Letzte Änderung am: 23/6/97
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