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Instruktion
Autor: Dr. Ilse Harms
Erstveröffentlichung: 6.12.1996
Letzte Änderung: 6.12.1996
Die mittlerweile gängige Verwendung des Begriffs "Instruktion"
bzw. Instruktionstheorie, Instruktionsdesign für die umfassenden
Maßnahmen der Unterrichtsplanung, mag einerseits aus einer
Übernahme der vielfältig rezipierten englischsprachigen Literatur
zur Entwicklung von computergestützten Lernprogrammen herrühren.
Gleichzeitig findet diese Bezeichnung im deutschen Sprachgebrauch
v.a. dort Anwendung, wenn mit Unterweisung nicht im engeren Sinne
Schulunterricht assoziiert werden soll, sondern im weiteren Sinne
die Planung von Bildungsmaßnahmen insgesamt einschließt (z.B. im
Rahmen von betrieblichen Aus- und Weiterbildung).
Die Plädoyers für den Einsatz von Bildungstechnologie gehen einher
mit der Betonung der Möglichkeit der Selbststeuerung des
Lernprozesses durch die Lerner. Interaktionsprozesse zwischen den
Lehrenden und Lernenden sowie Unterrichtsmethoden wie z.B.
kooperatives Arbeiten, Gruppenarbeit und Projektunterricht
erfahren mit der Netztechnologie eine Reanimation und knüpfen
damit an progressive pädagogische Konzepte, z. B. an die der
Reformpädagogik an. Argumentativ gestützt wird der sogennante
Paradigmenwechsel heute einerseits durch Befunde der
Kognitionspsychologie und andererseits durch den
gesellschaftlichen Konsens über die Notwendigkeit der Ausbildung
einer Selbstbildungskompetenz als Voraussetzung für die Fähigkeit
des "lebenslangen Lernens" in der Informationsgesellschaft. Der
theoriegeleitete Wechsel vom Lehrer-zentrierten zum
Lerner-orientierten Ansatz mit der Betonung der
Selbstverantwortlichkeit des Lerners führt dazu, daß der
konstruktivistischen Perspektive des Wissenserwerbs verstärkt
Aufmerksamkeit geschenkt wird und diese die Gestaltung von
Lehr-Lern- Prozessen bzw. das Instruktionsdesign beeinflußt.
- Mittlerweile haben folgende Annahmen über den Wissenserwert zunehmend Eingang in pädagogisches Planungshandeln gefunden.
- Lernen ist ein aktiver Konstruktionsprozeß, damit wird der Akzent auf Eigentätigkeit gelenkt statt auf Außensteuerung und bloßes Reagieren.
- Dies erfordert anregende Lernumgebungen im Sinne von authentischen Kontexten, die an das Vorwissen der Lerner anknüpfen und ein problemorientiertes Lernen fördern.
- Der Verstehensprozeß wird bestimmt von bisherigen Erfahrungen und Erlebnissen der Lernenden, von ihren Wünschen, Zielen und Gefühlen; von ihrem Wissen und Gedächtnis; von ihrer Einschätzung der anderer Kommunikationspartner und deren Verstehenssituation: der sozialen Situation kommt deshalb besondere Relevanz zu.
- Die Präsentation und Bearbeitung von Problemen in multiplen Kontexte und unter multiplen Perspektiven unterstützt den Wissenstransfer.
- Der Wissenserwerb ist ein individueller Prozeß im Rahmen der Interaktion mit anderen, daraus folgt die Betonung eines kooperativen Lernens in Lerngemeinschaften.
- Anleitungen beim Lernen müssen individuell erfolgen in Form von Hilfestellungen bei der Problemlösung. Aus den spezifischen Merkmale von multimedialen bzw. multimodalen Informations- bzw. Lernsystemen,
- Inhalte anhand verschiedener Symbolsysteme darzustellen,
- die selbstgesteuerte interaktive Vorgehensweise beim Lernen, und
- die Flexibilität bei der Nutzung hinsichtlich Lernort, Lerntempo und Lerndauer.
- leiten sich deshalb die Erwartungen ab, daß durch ihren Einsatz der Wissenserwerbprozeß optimiert werden kann.
Literaturempfehlung:
- Baumgartner, Peter & Payr, Sabine 1994: Lernen mit Software. Innsbruck: Österr. Studien-Verlag.
- Gerstenmaier, J. & Mandl, H. 1995: Wissenserwerb unter konstruktivistischer Perspektive. In: Zeitschrift für Pädagogik, 41. Jg. , Nr. 6, S. 867-888.
- Issing, Ludwig J.1994: Von der Mediendidaktik zur Multimedia-Didaktik. In: Unterrichtsforschung. Zeitschrift für Lernforschung, 22. Jg., Heft 3, S. 267-284.
- Issing, Ludwig J.1995: Instruktionsdesign für Multimedia. In: Issing, Ludwig J. & Klimsa, Paul (Hrsg.), Information und Lernen mit Multimedia. Weinheim: Psychologie-Verl.-Union, S. 195-220.
- Niegemann, H. M. 1995: Computergestützte Instruktion in Schule, Aus- und Weiterbildung: theoretische Grundlagen, empirische Befunde und Probleme der Entwicklung von Lernprogrammen. Frankfurt a. M.; Berlin (u.a.): Lang Verlag.
- Nolden, Mathias 1995: Ihr erster Internet-Zugang. Sybex-Verlag.
- Strittmatter, Peter & Mauel, Dirk 1995: Einzelmedium, Medienverbund und Multimedia. In: Issing, Ludwig J. & Klimsa, Paul (Hrsg.), Information und Lernen mit Multimedia. Weinheim: Psychologie-Verl.-Union, S. 47-61.
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